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Demokratisch, mitgliedernah und wirtschaftsstark: Die Kreditgenossenschaften in Rheinland und Westfalen

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Rheinland und Westfalen sind Ausrichter des Journalistenpreises „BlaueBoje“ mit dem Thema „Wirtschaft vor Ort“. Was unterscheidet sie von anderen Banken?

„Der eine spart. Der andere braucht Geld. Das muss organisiert werden.“ Mit diesen einfachen Worten hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Existenz von Banken erklärt. Besondere Banken sind die rund 170 Genossenschaftsbanken in Rheinland und Westfalen. Sie haben 3,2 Millionen Mitglieder. Das kleinste Institut zählt dabei etwas mehr als 1.000, das größte fast 150.000 Teilhaber. Die rund 33.000 Mitarbeiter der Kreditgenossenschaften betreuen das Vermögen der Sparer und damit 207,6 Milliarden Euro. Außerdem organisieren sie das Kreditgeschäft für den Mittelstand und der Immobilienbesitzer in Rheinland und Westfalen in einer Höhe von 152,4 Milliarden Euro. 

Genossenschaftsbanken sind aus Solidar- und Selbsthilfestrukturen entstanden

Volksbanken und Raiffeisenbanken setzen auf regionale Verantwortung und direkte Demokratie. Schon seit über 160 Jahren schließen sich Menschen genossenschaftlich zusammen. Nach wie vor ist dieses genossenschaftliche Unternehmensmodell mit seinen Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung aktuell. Überall in Rheinland und Westfalen nehmen Bürger und Unternehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und gründen Genossenschaften, um zum Beispiel die örtliche Infrastruktur zu stärken, die Energiewende voranzutreiben und die regionale Nahversorgung zu stärken. Dabei werden sie maßgeblich von den Genossenschaftsbanken unterstützt.

Genossenschaftsbanken sind zwar Wirtschaftsunternehmen, doch erschöpft sich ihre Philosophie nicht in betriebswirtschaftlichen Maximen. Genossenschaften sind Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Gedanken der solidarischen Selbsthilfe entstanden, der bis heute unser Selbstverständnis prägt: "Die Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder ist Zweck und Ziel einer jeden Genossenschaft", heißt es im Genossenschaftsgesetz. Der Dienst am Mitglied und Kunden ist damit die Richtschnur des Handelns der Genossenschaftsbanken.

Die Mitgliedernähe bestimmt die Geschäftspolitik

Wie sich das Wirtschaftsleben und die Menschen von Region zu Region unterscheiden, so variieren auch die Bedürfnisse der Bankkunden und damit die Anforderungen an die örtliche Bank. Darauf stellt jede Volksbank und Raiffeisenbank ihre Geschäftspolitik und ihr Angebot ein. Der direkte Kontakt zu den Menschen, die große Marktnähe vor allem zu den mittelständischen Unternehmen vor Ort prägen die „Persönlichkeit“ der einzelnen Genossenschaftsbanken. Sie sind stark in ihren Regionen verankert; deshalb übernehmen sie neben der wirtschaftlichen auch gesellschaftspolitische Verantwortung. So unterstützen sie regelmäßig gemeinnützige Organisationen vor Ort.

Miteigentümer, Träger und Kunden der Volksbanken und Raiffeisenbanken sind ihre Mitglieder. Als Miteigentümer sind sie Kapitalgeber und Gewinnbeteiligte. Als Träger sind die Mitglieder in den demokratischen Entscheidungsprozess des Unternehmens eingebunden: Auf der General- oder Vertreterversammlung hat jedes Mitglied eine Stimme – unabhängig von der Höhe seiner Kapitalbeteiligung. Als Kunden schließlich steht den Mitgliedern das Produkt- und Leistungsspektrum ihrer Bank und des gesamten genossenschaftlichen Finanzverbundes zur Verfügung.

Genossenschaften: Eine Idee mit Geschichte

Als Demokrat und liberaler Wirtschaftspolitiker war Hermann Schulze (1808 –1881) aus dem sächsischen Delitzsch überzeugt, dass der Weg aus der Krise im 19. Jahrhundert nur ohne Staatshilfe dauerhaft erfolgreich sein könne. 1849 gründete er mit der "Schuhmacher-Association" die erste Genossenschaft, die auf den Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung beruhte.

 Ein Jahr später rief er den "Vorschussverein " und damit den Vorläufer der heutigen Volksbanken ins Leben. Die Beiträge der Mitglieder bildeten das Eigenkapital, die solidarische Haftpflicht machte den Verein kreditfähig. So löste der Zusammenschluss das Problem der Kreditbeschaffung und sicherte die Selbstständigkeit des einzelnen Mitglieds.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 –1888) setzte mit dem "Brodverein" von Weyerbusch im Westerwald und weiteren Gründungen ab 1846 zunächst auf das karitative Element, um die Not der Landbevölkerung zu lindern. Er gelangte aber bald zu der Überzeugung, dass die Selbsthilfeeinrichtung dem Wohltätigkeitsverein überlegen war, weil die Betroffenen ihr Schicksal in die eigenen Hände nahmen.

 Mit den "Darlehnskassen-Vereinen", die auf den gleichen Prinzipien wie die Gründungen Schulze-Delitzschs beruhten, setzte er diese Erkenntnis erfolgreich um. In der ländlichen wie in der gewerblichen Wirtschaft wurde eine Genossenschaft nach der anderen aus der Taufe gehoben. Im Jahr 1914 betrug ihre Gesamtzahl schon mehr als 34.500, darunter 19.000 Kreditgenossenschaften. Der von Schulze-Delitzsch und Raiffeisen geschaffene neue Unternehmenstyp wurde zum Vorbild für Gründungen in der ganzen Welt.

Genossenschaftsidee ist seit 2016 immaterielles Kulturerbe der Menschheit

Die genossenschaftliche Idee trat ihren Siegeszug um die ganze Welt an. 2016 wurde sie von der UNESCO in die Liste des „immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ aufgenommen. Die Weltkulturorganisation unterstrich damit die Bedeutung dieser Idee für das menschliche Zusammenleben und würdigte ihre weltweite Rolle bei der Armutsreduzierung über lokale Beschäftigung und soziale Integration. Der Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission Dr. Christoph Wulf betonte darüber hinaus:  „Genossenschaften bringen Menschen mit gemeinsamen Interessen ohne Gewinnerzielungsabsicht zur Erreichung gemeinsamer Ziel zusammen. Das hat eine enorme kulturelle Bedeutung, die nun auf internationaler Ebene anerkannt wurde.“

„Wir wollen mit unserem Journalistenpreis guten Wirtschaftsjournalismus unterstützen.“

Friedhelm Beuse,
Vorsitzender des Fachausschusses Marketing der Kreditgenossenschaften in Rheinland und Westfalen